ZIST Krankheit als Chance

Zist ist ein Therapiezentrum bei Penzberg ziemlich außerhalb gelegen.
Dreimal war ich dort in ZIST bei Wolf Büntig, ein viertes Mal haben sie mich nicht gelassen. Das war verständlich, es gab viele, die dramatischer von einer Krankheit bedroht waren als ich.
Ich habe ein Trainerzimmer bekommen, ebenerdig, da konnte ich mit einem Begleiter übernachten. Gerhard Seitz und Erhard Söhner haben mich als Zivis begleitet. Das Essen war gut. Zwei große Gruppenräume, Essraum und Küche, Übernachtungszimmer für die Teilnehmer.

Der für mich wichtigste Gestalt-Prozess war folgender:
Ich habe gesagt: Ich fühle mich meinen Eltern gegenüber schuldig, dass ich so krank bin und ihnen seit Jahrzehnten Kummer mache. Da hat er den Spieß herumgedreht: Was ich ihnen schuld bin ist meine Angst, meine Wut, meine Verzweiflung, mein Alleinsein...
Mir geht es so schlecht, und habe zu jammern angefangen. Dann hat er mich gestoppt. Was ist jetzt? Was siehst du? Was spürst du? Wie spürt sich dein Atem an? Was siehst du, was spürst du, was hörst du. Dann habe ich minutenlang geredet vom Licht, von der Sonne, von den Gesichtern der Menschen um mich, der Atem, auf die eigene Stimme hören..., die Menschen um mich..., alles angenehm, von Kummer und Krankheit war nichts mehr. - Er sagte: „Jetzt hast du uns fünf Minuten von schönen Dingen erzählt. Der Rest ist Übung.“
Das war für mich die wichtigste Konfrontierung.
Also habe ich gelernt, dass es auf die Sichtweise ankam, wie ich etwas ansehe. Wolf hat mir die Welt zurückgegeben. Wir haben gemerkt, was wir können.
Hörst du deine Stimme jetzt? Wie klingt das? Sag das noch einmal laut? Wenn es um die Eltern ging: Sag das deinem Vater, deiner Mutter? Hast du deine Stimme jetzt dabei gehört? Hat deine Mutter das jetzt gehört?
Er hat nur gefragt, keinerlei Ratschläge gegeben, denn Ratschläge sind auch Schläge. Er hat so gefragt, dass ich zehn Minuten Sachen sagte, die gut waren, die lebendig waren, keine Klage mehr aus meinem Mund kam.
Ich habe miterlebt, habe das erlebt, jeder was er bei den anderen gemacht hat, wie er ihnen auch die Erde zurückgegeben hat, den Stand auf der Erde: Stelle dich hin. Wie spürst du den Boden. Tritt mit dem Fuß fest auf den Boden! Das war geradezu unheimlich, wie das gewirkt hat.
Das konnte ich nicht, aber ich habe gelernt beim Zuschauen. Ich habe viel gelernt für meine therapeutischen Gespräche später, vieles übernommen. Ich habe viele zum Weinen gebracht, wenn ich gespürt habe, sie wollen ihr Gefühl jetzt ausdrücken. Ich glaube im Konfrontieren war ich recht gut. Sogar am Telefon habe ich viele solche gestalttherapeutisch ausgerichtete Gespräche geführt.
Und Fragen, Fragen, immer nur Fragen.
Ein Gefühl der Lebendigkeit...
Danach, anschließend an die Sitzung haben wir manchmal getanzt zur Musik. Jemand hat mich Huckpack genommen und ist mit mir herumgetanzt. Ich habe getanzt. Als der Zivi Erhard dabei war, hat er mich auf den Rücken genommen zum Tanzen.
Und viel gelacht haben wir, gelacht vor Lebendigkeit. ein Platz mehr für Krankheit und Kummer, die waren weit weg. Ich habe vorher und später nie so eine lebendige Gruppe erlebt, obwohl todkranke Leute dabei waren.